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Warum auch Profis trainieren

21 Jan , 2018,
Klaus Spitzer
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Die Routinefalle

Motorradfahren will gelernt sein! Gerade am Anfang ist das Zusammenspiel von Kupplung, Gas und Bremse eine echte Herausforderung. Um so mehr man fährt, um so einfacher wird es. Kurven werden runder und der Fahrstil flotter. Dann beginnt die Zeit echte Erfahrungen zu sammeln. Da geht dem Einen mal das Hinterrad weg. Ein Anderer überbremst das Vorderrad. Langsam aber stetig stellt man sich darauf ein und vermeidet solche Situationen. Dann beginnt die Routine. Wir schalten auf Autopilot. Der hat verschiedene Modi. Sportlich, flott oder gemütlich. Umschalten kann man natürlich auch. Aber passt die Gangart immer zum Fahrkönnen?

Wie schätzen wir uns selbst ein?

Die meisten Motorradfahrer überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten. Wer glaubt nicht, besser fahren zu können als viele andere Verkehrsteilnehmer? Unsere Selbsteinschätzung basiert auf unseren Erfahrungen. Aus ihnen stellen wir das Bild zusammen, das wir von uns und unseren Fähigkeiten haben. Doch es gibt einen blinden Fleck in der Verarbeitung der Erlebnisse. Ein entscheidender Teil wird einfach ausgelassen: nämlich das, was wir in den verschiedenen Situationen nicht wussten oder bedacht haben. Obwohl wir alle recht genau wissen, was wir wissen, ist vielen nicht klar, was sie alles nicht wissen. Das erklärt unsere Selbstüberschätzung. Wir haben nicht alle Informationen, die wir brauchen, um uns selbst richtig einzuschätzen und genau das, blenden wir aus.
(Quelle: Psychologie heute)

Was ist ein guter Motorradfahrer?

Es gibt keinen gültigen Motorradfahrer Test. Außer vielleicht die Fahrprüfung oder die Rennstrecke. Aber auch hier gilt: Haben wir wirklich alle Infos, die wir brauchen? War unser Fahrlehrer ein guter Fahrlehrer? Sind Rundenzeiten ein guter Indikator für einen guten Motorradfahrer? Gibt es nicht doch noch was dazu zu lernen, was wir noch nicht wussten?

Deshalb brauchen wir Fremdeinschätzung!

Das kann die Rückmeldung von einem Bikerkollegen sein, einem Trainer oder der Trainingsgruppe. Und hier kommen Sicherheitstrainings ins Spiel!


Wer braucht ein Sicherheitstraining?

Grundsätzlich sind alle angesprochen, die ein Motorrad bewegen. Ob Fahranfänger, Wiedereinsteiger oder Routinier. Jeder kann aus einem guten Sicherheitstraining etwas für sich mitnehmen. Dabei ist es für jeden etwas anderes. Wiederholer berichten, dass das gleiche Training beim selben Trainer trotzdem noch neue Einsichten und Erkenntnisse gebracht hat.

Welches ist das richtige Sicherheitstraining für mich?

Das kommt natürlich auf verschiedene Faktoren, wie Fahrpraxis, Fahrkönnen und Vorerfahrungen an. Grundsätzlich kann man die Trainings durch ihre verschiedenen Schwerpunkte unterscheiden.

Kurse, die vom DVR zertifiziert sind, setzten auf Verkehrsprävention. Klingt langweilig ist es aber nicht. Denn hier arbeitet ein Moderator, der es versteht, das Verhalten der Teilnehmer in der Gruppe zu reflektieren. Es wird nicht vorgegeben, sondern die Erkenntnisse werden gemeinsam entwickelt und in praktischen Übungen umgesetzt. Angefangen vom Stabilisieren, über Bremsen, Ausweichen und Kurven fahren wird alles geübt, was hilft knifflige Situationen zu beherrschen. Die Trainings sind für Anfänger, Wiedereinsteiger und Routiniers gleich-gut geeignet. Viele Berufsgenossenschaften geben hier Zuschüsse.

Bestimmte Sicherheitstrainings haben vor allem die Fahrfertigkeit im Blick. Das sind z.B. Kurven- oder Schräglagentrainings, bei denen oft ein Auslegermotorrad dabei ist. Hier sollten geübte Fahrer buchen, die an der Schräglage arbeiten oder ihre Kurvenline verbessern wollen.

Auch die Enduristen kommen auf ihre Kosten. Sie können, je nach Können, ein Schnuppertraining oder gleich die Kiesgrube buchen. Hier sind Gleichgewicht, Sitzposition und Blickführung die elementaren Grundlagen, die auch auf der Straße eine entscheidende Rolle spielen.

Natürlich gibt es auch Trainings auf Rennstrecken oder ähnlich gut ausgebauten Plätzen. Hier steht der sportliche Gedanke im Vordergrund. Ohne Gegenverkehr kann ausprobiert werden, wo die eigenen Grenzen liegen. Die gemachten Erfahrungen helfen dabei besser zu fahren und das Motorrad zu beherrschen.

Darüber hinaus gibt es noch viele interessante Kombinationen im Programm der Anbieter. Trainings im Straßenverkehr, Frauenkurse oder Einzelcoachings sind möglich und sind Teil der Bandbreite von guten Anbietern.

Wo finde ich passende Sicherheitstrainings?

Das Internet ist voll von Angeboten für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Die meisten Anbieter haben nur die eigenen Trainings auf der Seite. Einen guten Querschnitt haben:
https://www.ifz.de/training/motorradtraining/
http://www.dvr.de/site/sht-suche.aspx
https://www.motourismo.com/de/motorradtrainings.html

Zur Schluss noch was zum Nachdenken

„Erfahrung ist das,
was man zu haben glaubt,
bevor man anfängt
mehr davon zu erwerben.“
Bernt Spiegel


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