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Motorradhelme und Prüfzeichen

10 Mrz , 2016,
Klaus Spitzer
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2 comments

Wie unterscheiden sich bauartbedingt Helme untereinander und welche Kriterien werden bei der Prüfung angelegt? Diese Fragen klärt ein Gastbeitrag von Helmexpress. Vielen Dank dafür!

Der Motorradhelm, im Sprachgebrauch Sturzhelm genannt und in der Amtssprache Schutzhelm, gehört zur Schutzkleidung für Motorradfahrer. Er soll dessen Kopf bei einem Unfall vor Verletzungen bewahren und ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Vorschriften nach ECE-22 05 und ECE 05 gelten dazu.

 

Die verschiedenen Bauarten der Motorradhelme

Der Integralhelm hat eine feste Kinnpartie und das Visier ist komplett verschließbar.
Der Klapphelm ist eine Variante des integralen Helms mit einer hochklappbaren Kinnpartie.
Der Motocross Helm ist ebenfalls integral konstruiert, hat aber einen größeren Abstand zum Kinn und einen Schirm und wird teilweise ohne Visier mit einer Crossbrille getragen.
Der Jethelm wird auch Halbschalenhelm genannt und verfügt über keine feste Kinnpartie. Es gibt Versionen mit Visier oder Sonnenblende und Halbschalen mit einem tiefen Visier.

 

Die ECE-Vorschriften und die deutschen Ausnahmen

Die ECE-Vorschriften regeln technische Grundlagen für Kfzs sowie deren Teile und Ausrüstung. Die Genehmigungen werden von den beteiligten Mitgliedsstaaten erteilt. Sie wird nicht vom Hersteller, sondern vom Kraftfahrt-Bundesamt zusammen mit der Typgenehmigungsnummer erteilt. Ein E mit dem Länderode und der Genehmigungsnummer, eventuell noch die Nummer der internationalen Vereinbarung mit einem R. Für den Motorradhelm gilt der EU-Standard nach ECE 22.05. In Deutschland gibt es zwei Ausnahmeregelungen, dass ebenfalls Helme verwendet werden können, die nicht den ECE-Vorschriften entsprechen, sie müssen den Bauartbestimmungen genügen.

Die ECE-Vorschriften gelten nur für den Hersteller, Fahrer und Beifahrer haben nach § 21a StVO die Pflicht zum Tragen einen amtlich geprüften Helm zu tragen, was immer das bedeuten mag.

 

Der Aufbau des ECE-Zeichens:

  • aktuelle Prüfnorm
  • Homologationsnummer
  • Art des Helms z.B. J = Jet, P = Integral
  • Ländercode
  • internes Herstellerkennzeichen

 

Die Prüfung nach ECE 22.05

  • die Dämpfungsschale: Grösse und Form
  • die Aussenschale: chemische Resistenz
  • die Stossdämpfungswerte durch den Falltest
  • der Abstreiftest bei den kleinen Grössen
  • die Belastbarkeit und Absicherung des Kinnriemens
  • die Belastbarkeit des Kinnriemenverschlusses
  • die Grösse des Sichtfeldes
  • der Durchdringungswiderstand des Visiers
  • die Tönung des Visiers

 

Ergänzende Vorschriften nach ECE 05

  • die Senkung der Grenzwerte für Kopfverzögerung und HIC (head injury) um 10 Prozent
  • der Kinnaufschlag und Prüfung der Kinnteildämpfung
  • die Kratzfestigkeit
  • die Messung der Rotationsbeschleunigung an der Aussenschale
  • die Visiertönung bis zu 50 %
  • das ECE – Etikett muss mit Klarsichtfolie übernäht sein
  • die Kinnriemensicherung wie gehabt, aber nicht für TRIAL- Helme

 

Motorradfahrer sollten beim Kaufen eines Helmes unbedingt auf das ECE-Zeichen achten. Laut Pressemitteilung der DEKRA ist es inzwischen Pflicht einen nach den aktuellen Normen geprüften Helm zu tragen, nicht nur wegen der erhöhten Verletzungsgefahr, sondern ebenfalls da ansonsten der Versicherungsschutz in Frage gestellt sein könnte. Sogenannte Halbschalen-Helme (Braincaps) oder Kopfschutzbekleidungen, die ursprünglich zum Bergsteigen, Radfahren oder als Arbeitshelm gedacht sind, sind für Motorräder mit Sicherheit nicht erlaubt. Motorradhelme sollten nicht länger als 5-7 Jahre genutzt werden, da die UV-Strahlung der Sonne die Außenschale angreift. Ebenso wird von Fachkundigen aus Sicherheitsgründen empfohlen, nach einem Unfall einen neuen Helm zu kaufen, weil in der Außenschale feine, unsichtbare Haarrisse entstanden sein könnten.

 

Für weitere Infos empfehlen wir die neu erschienene Broschüre „Motorradbekleidung von Kopf bis Fuß“ des IfZ.
//ifz.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/07/Motorradbekleidung_von_kopf_bis_fuss_www.pdf

 

2 Comments

  1. Helmpflicht für S-Pedelecs! Was ist eigentlich NTA 8776? – helmheld24 Februar 23, 2018 at 4:11 pm

    […] der die Vorschriften der ECE Regelung 22 (Stand: 21.02.2018: Version 5, ein interessanter Beitrag: Link) erfüllt. Diese Regelung bezieht sich auf Motoradhelme. Mit einem Motorrad fährt man schnell mal […]

  2. Martin Februar 22, 2017 at 4:55 pm

    Vielen Dank für die ausführlichen Informationen, Herr Spitzer.
    Da bei mir ein neuer Helm angeschafft werden muss, war ich äußert interessiert daran, was das Prüfsiegel überhaupt aussagt.
    Beim nächsten Kauf werde ich hier unbedingt drauf achten.
    Viele Grüße

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