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Gesunde Selbsteinschätzung

20 Dez , 2020,
Klaus Spitzer
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Heute morgen ist mir in Facebook der Dunning-Kruger Effekt begegnet. In Zeiten von Corona bekämpfen sich Befürworter und Gegner immer intensiver. Also gleich mal gegoogelt, um was es geht.

Wiki schreibt: „(Der) Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können zu überschätzen.“ Leute mit Halbwissen überschätzen sich also maßlos. Da fällt mir doch gleich einer ein, der in der nächsten Zeit das Weiße Haus räumen muss. Donald Trump ist doch ein passendes Beispiel für maßlose Selbstüberschätzung.


Banküberfall ohne Maske

Dass er dabei nicht alleine ist, kann ich mir denken. Eigentlich weiß ich es. Menschen, die sich selbst überschätzen gibt es schließlich eine Menge. Ein lustiges Beispiel gilt für die beiden Forscher, Justin Kruger und David Dunning von der Cornell University, als Beleg für ihre These. Sie berichten über einen kuriosesten Banküberfall. Er ereignete sich 1995 in Pittsburgh. Am helllichten Tag raubte ein unmaskierter Mann nacheinander zwei Geldfilialen aus. Die Videokameras waren ihm offenbar egal. Als sich wenig später die Handschellen schlossen und ihm die Polizei die Überwachungsaufnahmen vorspielte, war seine Verwunderung groß. Er war überzeugt davon, keinesfalls leichtsinnig gehandelt zu haben. Schließlich habe er sein Gesicht vor dem Überfall sorgfältig mit Zitronensaft eingerieben, um sich für die Kameras unkenntlich zu machen.


Selbstbewusst und völlig Ahnungslos

Weniger kompetente Personen neigen also dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Sie erkennen nicht die Fähigkeiten von anderen und schätzen ihr eigenes Halbwissen nicht richtig ein. Völlige Unkenntnis führt also keineswegs zu Selbstzweifel. Im Gegenteil. Solche Menschen sind sehr von sich überzeugt und glauben Recht zu haben. Dabei ist fehlende Selbstkritik nicht immer schlecht. Sie führt auch dazu sich Dinge zuzutrauen, die man bei nüchterner Betrachtung niemals tun würde. Mit ein bisschen Glück gelingt dann vieles. Zumal sich die Inkompetenz meist nur auf einen oder wenige Bereiche beschränkt. Dabei sagt das Phänomen nichts über die generelle Intelligenz einer Person aus. Auch das konnten die Forscher nachweisen.


„Ja sind denn nur noch Idioten unterwegs?“

Auch viele Motorradfahrer sind sich – an den Biker-Stammtischen dieser Welt – darüber einig, die allerbesten Fahrer überhaupt zu sein. Wissenschaftlich untersucht wurde das für Autofahrer. Die überwiegende Mehrheit (zum Teil über 90%) hält sich für besser als die anderen im Straßenverkehr. Sind also viele inkompetente Biker mit übersteigerter Risikobereitschaft auf Deutschlands Straßen unterwegs?


Üben hilft

Das Bild der rasenden Vollidioten lässt sich durch keine ernsthafte Studie belegen. Es ist allenfalls in reißerischen Medien noch ein Thema. Die allermeisten Motorradfahrer sind vorausschauend und umsichtig unterwegs. Jeder von uns kennt das Risiko. Keiner will einen Unfall riskieren. Wo wir aber tatsächlich (manchmal) einen „schwarzen Fleck“ haben, ist unsere Selbsteinschätzung. Wenn man jahrelang gut durchgekommen oder noch sehr jung und voller Hormone ist, dann sollte man durchaus mal über ein Training nachdenken. Denn Übung macht den Meister!


Wer ist der Größte?

Der Dunning-Kruger Effekt ist kein leuchtendes Beispiel für ernsthafte Wissenschaft. Im Jahr 2000 gewann das Phänomen den satirischen „Ig-Nobelpreis“ im Bereich Psychologie. Bereits auf der ersten Seite der Publikation heißt es: „Die unbewusste Inkompetenz zeigt sich auf vielen Gebieten, darunter Teamführung, Kindererziehung und das Durchführen einer fragwürdigen psychologischen Studie.“ ;-)

Entsprechend können Motorradfahrer auch auf den Rat der Zeitschrift „Bunte“ beherzigen. Sie zitieren aus einer Kanadischen Studie und das Ergebnis zeigt in eine ähnliche Richtung. Je größer der Unterschied zwischen den tatsächlichen und den eingebildeten Fähigkeiten von Menschen ist, desto zufriedener waren die Testpersonen. Begabung steigert also nicht unser Lebensglück.


Also dann

„Wir Motorradfahrer sind doch die Größten!“